24 | 05 | 2019
 

Bericht von Sophia R. M. Baptista de Oliveira

 
 

 

 
 

Seit vielen Jahren hat mein Mann Marcelo den Traum mit seinen eigenen Pferden den Jakobsweg in Europa zu reiten.

Als Mitte 2010 von dem brasilianischen Zuchtverband ABCCMM die Einladung kam, am „Vitrine Horse Project“ teilzunehmen, d.h. Showpferde nach Europa zu schicken, erkannte er sofort, daß jetzt die Zeit gekommen war, um seinen alten Traum wahr werden zu lassen! Zu dieser Zeit war Marcelo gerade 60 geworden und sein Gestüt „Haras Maripá“ wurde 30 Jahre. Zwei gute Gründe, das zu feiern, wie es sich gehört. In unserem Fall: im Sattel!

 
     
   
     
 

Die Mangalarga Marchador Hengste Patek und Urano kamen im Dezember 2010 in Deutschland an. Trotz der Kälte in Europa passten sie sich leicht und ohne Probleme an das Klima an. Auch dank Astrid und Dieter und ihrem Team, denen wir die Pferde anvertrauten. Wir besuchten unsere Pferde während der EQUITANA und waren sehr glücklich sie in so gutem und gesundem Zustand zu sehen. We flogen zurück nach Brasilien mit dem Bewusstsein, daß unser Abenteuer eine große Chance hätte, erfolgreich zu werden.

Marcelo war immer fanatisch mit Pferden. Er züchtet jetzt seit 31 Jahren Mangalarga Marchadores und ist ein großer Fan und Entwickler dieser Rasse. „Haras Maripá“ hat seine eigene Blutlinie entwickelt.

Patek ist das Ergebnis außergewöhnlicher Gene von „Laio“ und „Moderna de Maripá“. „Laio“ ist ein Nationaler Champion und seine Mutter – Festa AJ – ebenfalls Nationaler Champion in der Marcha, war eine unvergessliche, ganz besondere, nussbraune Zuchtstute. „Moderna de Maripá“ kommt aus „Emocao de Maripá » und « Laio ». Emocao ist eine Tochter von „Furacao Bela Cruz“ und „Cafundo 3 Pontas“, die von sehr alten und traditionellen Gestüten kommen: Abaiba und Herdade!

Urano, Patek’s Bruder väterlicherseits von „Oma de Maripá“ (Laio de Maripá x Martinica HO), ist ein Nachkomme aus der genetischen Öffnung zu Lineage 53. Seine Mutter – Bejota de Maripá – ist die Tocher von Major Pitanga, eines der bequemsten Pferde, das Marcelo jemals geritten hat.

 
     
 

Wenn er anfangs über das Projekt gesprochen hat, waren viele unserer Freunde skeptisch, ob man mit zwei vierjährigen Hengsten reiner Blutlinie einen solchen Ritt erfolgreich absolvieren könne. Die Leute zweifelten an der Umsetzbarkeit des ganzen Projektes. Einige weigerten sich sogar, uns zu helfen, weil sie die glaubten, daß es nicht geht. Als Experte seiner eigenen Pferde war sich Marcelo jedoch der Kraft und Ausdauer seiner Pferde sicher. Er wusste, sie würden es lieben zu laufen und das kann man auch gut auf den Fotos erkennen, die Paula da Silva gemacht hat und die uns begleitete, um unseren Ritt zu dokumentieren.

Paulo Junqueira und Aurelio Tagua des Pozo vertrauten unseren Pferden ebenfalls sofort und nahmen die Herausforderung an, unseren Ritt mit der notwendigen Infrastruktur und Logistik zu organisieren. Auch Sergio Beck glaubte an unser Vorhaben von Anfang an, unterstützte uns in allen Belangen und ritt sogar die ersten Tage mit Marcelo bevor ich in Europa ankam, um den galizischen Teil des Jakobsweges zu reiten. Auch wurden wir beleitet von unserem Guide Juan Bajo de Isasi mit seinem braunen Pferd, das den Jakobsweg bestens kannte. Alle diese waren für uns unverzichtbar!!!!

Wir sind ca. 30 km pro Tag geritten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9 km/Std., je nach Bodenbeschaffenheit. Wir stiegen um ca. 10.00 Uhr morgens in den Sattel. Wir machten immer an fantastischen Plätzen Mittagsrast, die von Paulo und Aurelio ausgesucht waren. Während der Mittagsrast wurden die Pferde gefüttert und gepflegt. Wenn wir dann wieder in den Sattel stiegen, waren die Pferde frisch und tatkräftig, sich wieder auf den Weg zu machen. Normalerweise, kamen wir an unserem täglichen Etappenziel gegen 5.00 Uhr am Nachmittag an. Die Pferde wurden dann aufgestallt und wir gingen in unser jeweiliges Hotel zum Abendessen.

 
     
 

Auf einem Ritt wie diesem verbringt man sehr viel Zeit mit sich selbst. Marcelo erzählte mir, daß er - wenn wir für unsere Gebete in den Kirchen entlang des Weges anhielten – die meiste Zeit dachte, daß er sich wünschen würde, daß die Menschen die Tiere besser behandelten mit mehr Qualität und Wissen und weniger Gewalt.

Der Jakobsweg ist wundervoll! Es ist wirklich ein sehr, sehr alter Weg. Keltisch. Mystisch. Voller Pilgerer, die uns immer mit Neugier betrachteten und dann erstaunt waren, daß unsere Pferde den ganzen Weg von Brasilien gekommen waren. Es war das erste mal, daß brasilianische Pferde auf diesem heiligen Weg unterwegs waren!

Der Boden, der von Anfang an meine Sorge war, war wirklich sehr schwer. Viele Steine, Schotter und manchmal mit sehr alten Pflastersteinen. Wir benutzten WIDIA Stifte in den Hufeisen für besseren Halt und Haltbarkeit. Und sie – unsere tapferen Pferde – waren standhaft. Ohne Beschwerden! Alles, was sie wollten war, zu gehen, zurück auf den Weg!